Am Sonntag war es endlich so weit: Nach acht Monaten intensiver Vorbereitung stand ich an der Startlinie der DATEV Challenge Roth. Ein Tag, auf den ich so lange hingearbeitet hatte. Unzählige Stunden im Wasser, auf dem Rad und in den Laufschuhen lagen hinter mir. Frühe Trainingseinheiten, lange Ausfahrten, harte Intervalle, Wochen mit über 18 Trainingsstunden, Regentage, Zweifel aber selbstverständlich auch Erfolge, Fortschritte, gemeinsame Aktivitäten und vor allem viel Freude am Sport – all das führte zu diesem einen Moment.
Die Challenge Roth gilt als der größte und stimmungsvollste Triathlon der Welt. In diesem Jahr wurde mit über 300.000 Zuschauern sogar ein neuer Besucherrekord aufgestellt. Rund 3.500 Einzelstarter sowie 700 Staffeln wurden von sage und schreibe 7.500 Helfer betreut. Alle zusammen verwandelten die Strecke in ein einzigartiges Sportfest das seinesgleichen sucht. Schon lange bevor der Startschuss fiel, war klar: Dieses Rennen wird etwas ganz Besonderes.
Die Monate der Vorbereitung haben mich nicht nur körperlich, sondern auch mental geprägt. Es gab Tage, an denen das Training leichtfiel, und andere, an denen Überwindung gefragt war. Doch mit jeder Einheit wuchs die Vorfreude auf Roth – auf ein Event, von dem wohl jeder Triathlet einmal träumt.
Am Wettkampftag war die Anspannung deutlich zu spüren. Gleichzeitig überwog die Freude, endlich das umsetzen zu dürfen, worauf ich so lange hingearbeitet hatte.

Das Schwimmen begann mit einer besonderen Herausforderung. Aufgrund einer Wassertemperatur von 25,0 Grad war das Tragen eines Neoprenanzugs nicht erlaubt. Das kam meinem Schwimmen nicht unbedingt entgegen, sodass ich mit einer Zeit von 1:17:23 Stunden zwar nicht ganz zufrieden bin, sie aber dennoch als akzeptabel einordnen kann.
Auf dem Rad galt es dann zwei Runden à 90 Kilometer mit insgesamt ca. 1.500 Höhenmeter zu bewältigen. Die erste Runde lief perfekt und ich konnte die angepeilten Wattwerte ohne größere Probleme treten. Zum Ende der ersten Runde dann DAS Highlight der Triathlon-Welt. Der SOLARER Berg.

Zehntausende Zuschauer stehen dicht an dicht, Fahnen wehen, Musik hämmert aus den Lautsprechern, Kuhglocken läuten und Sprechchöre treiben die Athletinnen und Athleten den Anstieg hinauf. Für einen kurzen Moment bildet die Menge einen schmalen Tunnel, der sich erst im letzten Augenblick öffnet – wie eine menschliche Gasse voller Energie. Die Stimmung ist elektrisierend. Gänsehaut und Freudentränen liegen in der Luft. Egal ob Profi oder Hobbysportlerin, jeder wird mit derselben Begeisterung angefeuert. Fremde Menschen rufen deinen Namen, klatschen, jubeln und schenken Kraft. Am Solarer Berg verschwimmen die Grenzen zwischen Wettkampf und Volksfest. Hier geht es nicht nur um Zeiten oder Platzierungen, sondern um Leidenschaft, Gemeinschaft und Emotionen.
Die Zweite Runde wurde dann schon etwas zäher und ich konnte die Leistung der ersten Runde leider nicht ganz aufrechterhalten. Dennoch konnte ich nach 4:47:00 Stunden Fahrzeit und einer zweiten Runde über den Solarer Berg mit einem Durchschnitt von über 37 km/h die zweite Wechselzone innerhalb der geplanten Zeit erreichen. Das gab mir das gute Gefühl, dass meine Vorbereitung und meine Renneinteilung aufgingen.
Der Marathon sollte dann allerdings zur größten Herausforderung des Tages werden. Bis etwa Kilometer 8 fühlte ich mich noch gut, doch danach kam der Mann mit dem Hammer leider viel zu früh und es ging spürbar bergab. Von diesem Zeitpunkt an begann der eigentliche Kampf – gegen die schmerzenden Beine, gegen die Müdigkeit und immer wieder gegen den inneren Schweinehund. Jeder Kilometer und jeder Schritt musste sich erarbeitet werden. Genau in diesen Momenten wurde mir bewusst, dass eine Langdistanz weit mehr ist als nur 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,2 Kilometer Laufen. Sie ist ein Test für Körper und Kopf, für Disziplin, Geduld und den Willen, auch dann weiterzumachen, wenn es richtig schwer wird.

Mit einer Marathonzeit von 3:27:48 Stunden erreichte ich schließlich das Ziel der Träume. Als ich das Zielstadion erreichte, war jede Anstrengung vergessen. Nach 9:37:13 Stunden durfte ich mich zum ersten Mal Langdistanz-Finisher nennen.
Mit dieser Zeit belegte ich Platz 277 von 3.500 Startern und erreichte in der Altersklasse M35 den 52. Platz. Auf dieses Ergebnis bin ich unglaublich stolz.

Was diesen Tag aber wirklich unvergesslich gemacht hat, war die Atmosphäre. Die Menschen entlang der gesamten Strecke sorgten für eine Stimmung, die ihresgleichen sucht. Tausende Zuschauer feuerten jeden Athleten an und gaben einem selbst dann noch Energie, wenn der Körper eigentlich keine mehr hatte.
Ein ganz besonderer Dank gilt meinen Supportern aus der Heimat. Eure Anfeuerung, eure Motivation und eure Unterstützung haben mir besonders auf den letzten Kilometern des Marathons unglaublich geholfen. Mädels und Jungs ohne ech wäre diese Leistung nicht möglich gewesen. Gemeinsam mit den Hunderttausenden Zuschauern an der Strecke habt ihr mich förmlich bis ins Ziel getragen. Dafür bin ich euch von Herzen dankbar.

Ich nehme aus dieser Erfahrung weit mehr mit als nur eine Finisher-Medaille. Acht Monate Vorbereitung, viele Stunden Training und unzählige Momente des Verzichts haben sich ausgezahlt. Ich habe gelernt, dass Geduld, Konsequenz und Ausdauer am Ende belohnt werden.
Challenge Roth 2026 wird für mich immer ein ganz besonderer Tag bleiben. Mein erster Langdistanz-Triathlon. Mein erster Zieleinlauf über 226 Kilometer. Ein Traum, der Wirklichkeit geworden ist.
